Johannes Graf

Als Teil der Unternehmerfamilie hat Johannes Graf die Entwicklung von Leyrer + Graf von klein auf miterlebt und über viele Jahre aus nächster Nähe verfolgt. Im Interview spricht er über prägende Erinnerungen, die Werte des Familienunternehmens und seinen Blick auf 100 Jahre Unternehmensgeschichte.

Herr Graf, Sie sind mit Leyrer + Graf aufgewachsen. Welche Bilder aus Ihrer Kindheit sind Ihnen besonders präsent?

Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Unternehmen aufgewachsen. Auf dem Weg zur Schule bin ich durch das Betriebsgelände gegangen, habe gesehen, wie Material angeliefert wurde, wie gearbeitet wird.

Diese Welt war für mich immer präsent – nicht als etwas Besonderes, sondern als etwas Selbstverständliches. Ich kann mich auch gut erinnern an den Klang des Bauhofs in der Früh: das Abladen von Material, diese Geräuschkulisse, die einfach dazugehört hat. Und natürlich gab es auch viele Momente, die aus Kindersicht spannend waren – Baustellenbesuche mit meinem Vater oder der Bauhof als eine Art Abenteuerspielplatz.

 

Wann wurde Ihnen bewusst, welche Bedeutung das Unternehmen tatsächlich hat?

Das kam eigentlich erst später. Als Kind war das einfach „die Firma“, mit der man aufwächst. Erst im Laufe der Schulzeit habe ich erkannt, welche Größe und Bedeutung dahintersteht – auch über Gmünd hinaus. Besonders prägend war für mich zu sehen, wie sich das Unternehmen Schritt für Schritt weiterentwickelt hat. Entscheidungen wie der Einstieg in Horn oder später in Wien haben viel Einsatz von meinem Vater erfordert, aber auch gezeigt, wie konsequent an einer langfristigen Entwicklung gearbeitet wurde.

 

Sie sind zunächst in das Unternehmen eingestiegen…

Ja, richtig, wobei mein Vater weder mich noch meine Geschwister dazu gedrängt hat in das Unternehmen einzusteigen. Anfangs hatte ich das auch nicht vor. Erst während meines BWL-Studiums und durch Praktika wurde mir bewusst, wie sehr mich das Arbeitsumfeld und vor allem die Unternehmenskultur bei Leyrer + Graf ansprechen.

Das war letztlich der ausschlaggebende Grund, doch ins Familienunternehmen einzutreten. Ich habe verschiedene Stationen durchlaufen und später den Personalbereich übernommen. Dabei war mir besonders wichtig, Menschen zu gewinnen, die fachlich passen und sich auch menschlich in das Unternehmen einfügen – denn die Unternehmenskultur war immer ein zentrales Element von Leyrer + Graf.

Und Sie haben sich dann bewusst entschieden, wieder einen anderen Weg einzuschlagen. Wie blicken Sie heute darauf zurück?

Die Zeit war für mich sehr lehrreich. Ich konnte bei einem großen Strategieprojekt dabei sein und habe so erlebt, wie das Unternehmen funktioniert - es war also hoch spannend, so tiefe Einblicke zu bekommen.

Irgendwann habe ich jedoch gespürt, dass ich nicht so wirklich am richtigen Platz bin. Es war keine Entscheidung gegen das Unternehmen – im Gegenteil. Mir ist immer klarer geworden, dass es mit mir zu tun hat und dass meine Stärken und Interessen in eine andere Richtung gehen. Diese Erkenntnis anzunehmen, war nicht einfach. Aber im Rückblick war es eine ehrliche und notwendige Entscheidung – sowohl für mich als auch für das Unternehmen.

Heute sind Sie dem Unternehmen weiterhin verbunden – wenn auch in einer anderen Rolle. Was bedeutet Ihnen Leyrer + Graf heute?

Die Verbindung ist nach wie vor da, denn Leyrer + Graf begleitet mich seit meiner Kindheit, und ich sehe mich dem Unternehmen auch heute nach wie vor sehr verbunden. In meiner Funktion im Aufsichtsrat kann ich diese Verbindung weiterführen – mit einem gewissen Abstand, aber dennoch mit einem klaren Interesse an der Entwicklung.

Ich bin sehr froh, dass mein Bruder die Leitung übernommen hat, denn so wie er es macht, macht er es sehr gut und das ist gewiss keine leichte Aufgabe.

Wenn Sie auf 100 Jahre Leyrer + Graf blicken – was ist für Sie das Besondere?

Mich erfüllt es mit Freude, dass es gelungen ist, ein Unternehmen über so lange Zeit erfolgreich weiterzuführen. Was dabei aus meiner Sicht besonders ist: dass trotz aller Veränderungen etwas Wesentliches erhalten geblieben ist – die Art, wie man miteinander umgeht. Diese Unternehmenskultur ist kein Selbstläufer, sondern etwas, das immer wieder gelebt werden muss. Ich bin überzeugt, dass genau darin die Grundlage für den langfristigen Erfolg liegt – und ich wünsche mir, dass diese Haltung auch in Zukunft bewahrt wird.